Sandra Mehmecke

Liste Gesundheits- und Krankenpflege

 
Berufsabschluss:  Gesundheits- und Krankenpflegerin (Krankenschwester)
 
Tätigkeit: Pflegefachkraft auf einer neurologischen Station; Lehrbeauftragte und freie Dozentin; Wissenschaftliche Mitarbeiterin (Schwerpunkte: Arbeitsbedingungen in der Pflege, Erleben von Menschen mit chronischen seltenen Erkrankungen)
 
Warum ich für die Liste DBfK Nordwest: Stark für Pflegende kandidiere:
Der DBfK vertritt die pflegefachlichen Interessen aller Pflegeberufe in allen Einsatzgebieten. Durch die Mitglieder werden die Perspektiven der direkt Pflegenden genauso eingebracht und diskutiert, wie die der Lehrenden, wissenschaftlich oder im Management Tätigen. Das macht den DBfK zu einer unheimlich wertvollen Quelle pflegerelevanten Wissens mit direktem Praxisbezug. Der DBfK unterstützt mit dieser Expertise und seiner verbandspolitischen Erfahrung den Gründungsprozess der Pflegekammern bundesweit. Ich bin stolz ein Teil hiervon zu sein.
 
Meine Motivation in der Kammer mitzuwirken:
Pflege jammert oft und ruft nach Hilfe. Ich frage: Wer soll denn helfen?! Wir beruflich Pflegenden müssen schon selbst die Verantwortung für uns in die Hand nehmen. Denn wir sind es, die den Einfluss unserer Interessenvertretung bestimmen: Wir sind es, die die Gewerkschaften stark machen und auffordern, für die Belange der Berufsgruppen der Pflege konsequent einzutreten. Wir sind es, die die Agenda der berufsfachlichen Diskussionen über unsere Berufsverbände bestimmen. Und wir sind es auch, die die Pflegekammer Niedersachsen gestalten. Ich wünsche uns, dass wir uns als Berufsgruppe nicht wegducken vor den immer größer scheinenden Herausforderungen, sondern dass wir uns zusammenschließen. Mit der Pflegekammer Niedersachsen haben wir die Chance dazu – die möchte ich wahrnehmen.
 
Was ist mir wichtig im beruflichen Alltag? (Haltung)
Ich bin in der klinischen Pflege, der Wissenschaft und der Lehre tätig, engagiere mich in der Gewerkschaft, im Berufsverband und für Pflegekammern. Ich möchte Brücken bauen und ich möchte als relativ junge professionell Pflegende insbesondere meine jungen Kolleginnen und Kollegen ins Boot holen. Ich trete für ein handlungsorientiertes Professionsverständnis von Pflege ein, das die „innere Logik“ pflegerischen Handelns fokussiert. Denn allgemeines wissenschaftliches Regelwissen oder Managementkompetenz allein sind kein Schlüssel zur professionellen Pflege. Es geht meinem Verständnis nach nicht nur darum, standardgeleitet pflegen zu können oder einen Prozess zu steuern, sondern es geht z.B. auch um Beziehungsarbeit in der Pflege.
 
Wo sehe ich meine Schwerpunkte in der Kammermitarbeit?
Die Pflegekammer ist kein Selbstzweck und die Pflegekammer wird nicht alle Probleme der Pflege allein lösen. Deshalb trete ich für den Dreiklang ein: Gewerkschaft, Berufsverband und Pflegekammer. Ich bin sicher, dass langfristig Verbesserungen in der pflegerischen Versorgung und in den Arbeitsbedingungen erreicht werden können, wenn Gewerkschaft, Berufsverbände und Pflegekammer kooperieren. Ich trete außerdem für eine Debattenkultur ein, die alle beruflich Pflegenden Niedersachsens an wichtigen Entscheidungsprozessen beteiligt. Pflegefachliche und pflegepolitische Diskussionen der Pflegekammer sollten nicht allein den „Eliten“ vorbehalten sein.
 
Beruflicher Werdegang in Kürze:
Ich habe meine Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege mit 17 Jahren an der Medizinischen Hochschule in Hannover begonnen, heute bin ich 35 und verfüge mittlerweile über 15 Jahre Berufserfahrung in unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen der Pflege. Zeitweise habe ich in Teilzeit gearbeitet, um meinen Hochschulzugang über den 2. Bildungsweg zu erwerben. Im Anschluss habe ich ein berufsbegleitendes Bachelorstudium Pflege an der Hochschule Hannover mit dem Schwerpunkt Beratung und später ein Masterstudium mit Schwerpunkt Management für Gesundheitsberufe absolviert. Mit meinem Bachelorabschluss folgten erste Mitarbeiten in wissenschaftlichen Projekten und Lehraufträge. Nach dem Masterabschluss arbeite ich bis heute als Gesundheits- und Krankenpflegerin sowie regelmäßig als Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Lehrbeauftragte und freie Dozentin. Ich konnte u.a. in verschiedenen ver.di-Organen, als ordentliches Mitglied des Personalrats, in der Gründungskonferenz Pflegekammer Niedersachsen und aktuell als stellvertretene Vorsitzende im Errichtungsausschuss Pflegekammer Niedersachsen Erfahrungen in Gremienarbeit sammeln.

Was ich noch sagen möchte…
Ich arbeite genau wie viele andere beruflich Pflegende im Dreischichtsystem. Auf der neurologischen Normalstation, auf der ich tätig bin, sehe ich mich genau wie viele andere Pflegefachpersonen, mit Unterbesetzung und einer immer anspruchsvolleren Patientenklientel konfrontiert. Ich habe relativ schnell nach meinem Berufseinstieg erkannt, dass die Verhältnisse in und unter denen wir Pflegende arbeiten, verändert werden müssen. Ich wollte die Verhältnisse so nicht mittragen. Aus dem Beruf aussteigen wollte ich aber nicht. Anfangs habe ich zum Beispiel mit Gefährdungsanzeigen probiert, Verbesserung direkt auf meiner Station zu erreichen. Dann bin ich in die Gewerkschaft eingetreten und dort engagiere ich mich bis heute. Früh bin ich auch in den Berufsverband eingetreten, weil mir bewusst wurde, dass nicht nur die Arbeitnehmerrechte von uns Pflegenden gestärkt und verbessert werden müssen, sondern dass sich auch berufspolitisch eine Menge bewegen muss. Meine fachlichen Kompetenzen in der Pflege habe ich zuerst mit Fort- und Weiterbildung und später mit einem Bachelorstudium ausgebaut. Einbringen konnte ich meine fachliche Kompetenz in der direkten Pflege aber meist erst nach Feierabend, denn beispielsweise für längere Beratungsgespräche stehen im durch Unterbesetzung und Überlastung geprägten Stationsalltag keine Ressourcen zur Verfügung. Am Ende geht es beim Thema „Situation in der Pflege“ um die Themen Geld und Macht. Um diese Strukturen besser verstehen zu können, habe ich ein Masterstudium mit Managementschwerpunkt absolviert. Mein Wissen und meine Kompetenzen habe ich – mit der Zeit an den unterschiedlichsten Stellen – für die Pflege eingesetzt. In der Lehre, in der ich auch tätig bin, versuche ich den jungen Kolleginnen und Kollegen zu vermitteln, dass pflegefachliches Wissen und pflegefachliche Kompetenzen wesentlich sind und gemeinsam diskutieren wir Möglichkeiten, wie diese mit der heutigen beruflichen Realität vereinbar sind oder ansatzweise zusammengebracht werden können. Ich bin zwar mittlerweile nicht mehr Vollzeit „am Bett“ tätig. Dafür setze ich meine übrige Zeit dafür ein, dass das Arbeiten im direkten Patientenkontakt, die Situation in den Institutionen des Gesundheitswesens für Pflegende und für die Patienten besser werden.
Deswegen bin ich keine „Heilige“. Aber ich entschuldige mich auch nicht dafür, dass ich mittlerweile in verschiedenen Tätigkeitsbereichen der Pflege unterwegs bin. Pflege jammert oft und schreit nach Hilfe. Wer soll denn helfen?! Pflegende müssen sich schon selbst helfen und die Verantwortung in die Hand nehmen. Wenn das dann Einzelne tatsächlich tun, sehen sie sich in der Regel mit Kritik von Berufskolleginnen und Kollegen konfrontiert. Egal, ob sie sich gewerkschaftlich engagieren, in Berufsverbänden die pflegepolitische Agenda (versuchen zu) bestimmen, sich für die Einrichtung von Pflegeberufekammern stark machen oder als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dazu beitragen wollen, vorhandene Wissenslücken zu schließen, um die Theorieentwicklung voranzutreiben oder – und gerade auch, um die Praxis der Pflege überhaupt gestalten zu können. Was wird denen vorgeworfen? Sie seien nicht solidarisch, weil sie die bestehenden Verhältnisse nicht immer weiter reproduzieren wollen, weil sie selbst gestalten wollen – und vor allem: Sie seien nicht solidarisch, weil sie nicht mehr „am Bett“ arbeiten? Nun habe ich es im Vergleich leicht, bei solcher Kritik dagegen zu argumentieren. Schließlich arbeite ich auch in der direkten Pflege. Aber bitte: Wollen wir wirklich von „unseren“ Wissenschaftlern, politisch Tätigen und anderen „in Büros sitzenden Pflegeakademikern“ verlangen, dass sie diese Aufgaben bitte vornehmlich in ihrer Freizeit ausführen, denn „echte Pflege“ findet nur „am Bett“ statt? Damit wäre niemandem geholfen. Wir Pflegende sind alle Kolleginnen und Kollegen - unabhängig von der pflegefachlichen Grundqualifikation, vom akademischen Grad und vom Tätigkeitsbereich. Gemeinsam können wir viel bewegen! 

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